Vampire - Live
Hannover - Braunschweig

Das Katharsis-Konzept

Das Tragische ist nicht die Lust am Leid. Und auch nicht die freie Wahl zu leiden. Etwas vereinfacht steht am Höhepunkt der Tragödie die Wahl zwischen zwei brachialen Niederlagen. Verliere deine Macht oder das was Dir lieb und teuer ist, verliere deine Moral oder deine Zukunft. Das Tragische kann die Lösung nur im Verlust finden, eine inhaltliche Auflösung ist im Tragischen nicht möglich.

Folgt man Aristoteles Tragödienstruktur, dann ist Vampire live potentiell die Vollendung der tragischen Form: Das Hauptziel der Tragödie ist die Katharsis, das Mitfühlen, Mitleiden und Mittrauern mit der dargestellten Figur. Allerdings: Niemand kann der Figur näher sein, als der Darsteller selbst, vor allem wenn er die Momente der Katastrophe nicht geprobt hat oder vorab weiß, was passiert. Alle drei Teile des Horrors, Angst, Ekel & Panik haben hier eine starke Wirkung durch ihr Überraschungs- bzw. Ungewissheitsmoment.

Im Mittelpunkt stehen die Handlungen, nicht die Figuren selbst. Sie sind konstruiert, damit der Spieler ein möglichst unmittelbares Erlebnis dieser Handlungen und damit der (Spiel)Welt hat. Ob etwas Handlung oder nur heiße Luft ist, erkennt man an den Figuren & der Spielwelt. Wenn nach einer Dynamik alles ist wie vorher, dann war es keine Handlung.


Die tragische Figur

Die peitschende Motivation - Jede Figur muss von etwas angetrieben sein, unablässig, auf ein, am besten unerreichbares, Ziel zustrebend, so dass sie niemals stillstehen kann. Um das zu unterstützen, hat jede Figur einen unauflösbaren inneren Konflikt.